Wir in Paris… Die Ejubi zu Besuch in der deutschen Gemeinde

EiffelEs ist schon echt ein wenig komisch: Eben noch ist man im wuseligen Paris der vielen „Sprachenmuffel“, wo man schon froh sein kann, wenn mal jemand bereit ist Englisch zu sprechen, wenn das eingerostete Schulfranzösisch mal nicht mehr ausreicht, und plötzlich steht man in einer ganz normalen deutschen Gemeinde: der Deutschen evangelischen Gemeinde in Paris. Am schwarzen Brett kleben Aushänge in deutscher Sprache und eine der Küsterinnen drückt uns die vertrauten rheinischen Gesangbücher in die Hände. Der Innenraum der Kirche ist sehr schön und erinnert vom Aufbau sogar ein wenig an unsere Friedenskirche: dunkle Holzbänke rechts und links des Mittelgangs, Säulen, drei Glasmosaikfenster hinter dem Altar (aber unsere sind schöner! ☺), Emporen auf beiden Seiten, ein Orgelbalkon an der Rückseite. Alles nur ein wenig kleiner. Diesen Anblick hätte ich nicht unbedingt vermutet, denn von außen fügt sich die Kirche ziemlich nahtlos in die Häuserfronten der Pariser Rue Blanche ein, die direkt zum berühmten Moulin Rouge hochführt.
Der Gottesdienst ist ziemlich gut besucht, gerade wenn man bedenkt, dass die Gemeinde etwa ein Zehntel der Gemeindemitglieder der Friedenskirchengemeinde hat und viele zudem noch Anfahrtszeiten von mehr als einer Stunde in Kauf nehmen müssen, um am Gottesdienst teilzunehmen, … …weil sie aus dem gesamten Pariser Umland kommen.
ArcWir singen Lutherlieder und folgen der üblichen Liturgie. Pfarrer Dr. Martin Beck hat einen Halloweenkürbis dabei und predigt über die Verbindung von Halloween und Reformation.
Die Geister, die er an Halloween (und an jedem anderen Tag) vertreiben will sind Leistungsdruck, Konsumzwang und Geltungssucht. Und bei der Vertreibung dieser Geister hat uns Martin Luther geholfen, der uns daran erinnert hat, dass wir nichts leisten, haben oder sein müssen, um jemand zu sein. Durch Gott sind wir alle schon gerechtfertigt.
Ein schöner Gedanke, der mir sicher helfen wird, Halloween weniger skeptisch gegenüberzustehen. Vielleicht werde ich jetzt nicht mehr alle Kinder, die am 31.10. an meiner Tür klingeln wegschicken mit dem Hinweis, dass sie am 11.11. wiederkommen können.
Gemäß dem Luther-orientierten Gottesdienst wird auch das Abendmahl streng lutherisch gefeiert und nur die Getauften werden an den Tisch des Herrn gebeten. Kinder werden gesegnet. Das ist etwas schade für unser Gruppenerleben, aber da muss man sich wohl den örtlichen Gegebenheiten anpassen.
Spätestens bei den Abkündigungen erfährt man, dass es sich hier um eine wirklich aktive Gemeinde handelt: Fast für jeden Tag ist eine Veranstaltung anzukündigen.
TeamNach dem Gottesdienst gibt es Kaffee und Waffeln im kleinen Gemeindesaal, der dank unserer Gruppe fast aus den Nähten platzt. Deshalb ziehen wir für unser anschließendes Treffen mit Gemeindemitglied Hanna Fels in den großen Gemeindesaal um. Hanna ist 25 Jahre alt und studiert Medizin in Paris. Sie ist nach einem Aupair-Jahr in Paris hängengeblieben. Den Bezug zur Gemeinde hat sie über die Treffen für deutsche Aupairs, die regelmäßig in der Gemeinde stattfinden bekommen. Viele kommen über diesen Weg zur Gemeinde. Leider sind die meisten dann aber eben auch nach ihrem Jahr wieder weg, ebenso wie die FSJler, die in der Gemeinde für den Küsterdienst zuständig sind. Viele kommen auch der Liebe wegen oder für den Job nach Paris. Heute arbeitet Hanna vor allem im Kindergottesdienst mit. Eine halbe Stunde steht sie uns noch Rede und Antwort, berichtet vom Gemeindeleben und vom Studentenleben in Paris.
Kein Zweifel: Hier hat jemand ein Stück Heimat in der Fremde gefunden. Und seltsamerweise kann ich das auch sofort fühlen – auch wenn ich Deutschland für gerade mal 48 Stunden verlassen habe.

te2Was auf jeden Fall nicht zu übersehen ist: Dieser Gemeinde geht es deutlich besser als der französischen Vorortgemeinde, die wir bei unserem letzten Ausflug besucht haben. Die Aufgaben sind auch ganz andere. Eine Kleiderkammer und Jugendräume haben wir in der Christuskirche nicht gesehen. Alles wirkt gepflegter und ordentlicher.
In Frankreich finanzieren sich die Kirchen über Mitgliedsbeiträge selbst wie Vereine. Das ist beiden Gemeinden gemein. Da spiegelt sich die soziologische Struktur der Gemeindemitglieder eben auch direkt in der Gemeinde wider…
Eine spannende Erfahrung auf welch unterschiedlichen Wegen auf so engem Raum die gute Botschaft weitergegeben wird!

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