Unsere Konfiarbeit Reflected Folge 2 „Mittelalter bis heute“

Station VergebungErst im Spätmittelalter nahm die Firmung die uns heute bekannte Struktur der Konfirmation an. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich erstmals ein Ritus, in dem der Firmling geprüft wird, ob er die christliche Lehre aufgenommen und verstanden habe. Er wird gefragt, ob er sein Leben im christlichen Glauben weiterführen möge. Der Schwerpunkt und Sinn der Firmung verlagerte sich mehr und mehr auf die Erneuerung des Taufgelübdes und das damit verbundene Bekenntnis, seinen christlichen Glauben zu leben und zu erhalten, welches bereits die Paten bei der Kindertaufe für einen abgelegt haben.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert veränderte sich auch das Verständnis der Konfirmation.

Luther kritisierte, dass die Konfirmation als sakrale Handlung angesehen wurde. Er widersprach ihrer Bedeutung als Sakrament, da in der Bibel von solch einem taufergänzenden Akt kein Zeugnis geliefert wird. Zudem sagte Luther, dass die Taufe an sich nicht ergänzungsbedürftig sei. Die Konfirmation stellte zwar eine Absolution bzw. Bestätigung der Taufe dar, allerdings nur im Hinblick auf die Sündenvergebung, keineswegs als Optimierung oder notwendige Bestätigung des Glaubens an sich.

Besonders der katechetische Aspekt wurde von Luther überdacht und überarbeitet. Er empfand ein ausgebildetes Wissen über den christlichen Glauben als wichtige Voraussetzung für das Gemeindeleben und die Zulassung zum Abendmahl. Im Zuge dessen schrieb er den kleinen und den großen Katechismus, welche als Einführung bzw. zum richtigen Verständnis des christlichen Glaubens dienen sollten. Sie beinhalten Erklärungen der 10 Gebote, der Taufe, dem Vaterunser und vielen weiteren Themen, die im christlichen Gemeindealltag von großer Bedeutung sind.

Im 17. und 18. Jahrhundert verankerte sich die Zeremonie der evangelischen Konfirmation Stück für Stück in der Kirche. Es war zwar keine Pflicht, konfirmiert zu werden, die Konfirmation wurde allerdings von der Mehrheit der damaligen Theologen als wichtig und sinnvoll angesehen. Gerade zur Zeit des Pietismus war es den Geistlichen ein Anliegen, dass sich die Jugendlichen eigenständig zu ihrem christlichen Glauben bekannten und das Gemeindeleben wahrnahmen.

Ein weiteres sehr prägendes Ereignis in der Geschichte des Konfirmandenunterrichts war der zweite Weltkrieg. Nach seinem Ende und dem des Nationalsozialismus differenzierte sich das Konfirmationsverständnis weiter aus. In Deutschland weit verbreitet lag der Schwerpunkt weiterhin auf dem Katechumenat. In manchen Gemeinden und Landeskirchen stand die Zulassung zum Abendmahl, also der Konfirmandenunterricht als Sakramentsunterricht im Vordergrund. Doch auch die Segnung und Fürbitte der Konfirmanden durch die Gemeinde war ein Aspekt, der von großer Bedeutung war. Die Eingliederung und die Zugehörigkeit zur Gemeinde waren zentrale Ziele der Konfirmation.

Doch die Uneinigkeit und das weit auseinandergehende Verständnis von Konfirmation und Konfirmandenunterricht blieben weiterhin ein großes Problem, gerade in der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Erst Ende der 60er Jahre war es möglich, durch eine einheitliche Reformbewegung das Konfirmationsverständnis zumindest in einigen Teilaspekten zu vereinigen. Mehr und mehr verlagerte sich der Schwerpunkt vom katechetischen Dienst des Konfirmandenunterrichts auf das Erlernen bzw. Ausbilden und Entwickeln eines eigenen Glaubens, mit Herz und Kopf, in der Konfirmandenarbeit. Der Umgang mit den jungen Gemeindemitgliedern sollte pädagogisch geprägt sein und vermitteln, was es heißt als Christ zu leben.

Alles in allem war das 20. Jahrhundert von vielen Reformen und Reformversuchen bezüglich der Konfirmation und des Konfirmandenunterrichts durchzogen. Zum einem wurde die Definition von Konfirmation, als Taufbestätigung, zum anderen die Gestaltung des Konfirmandenunterrichts mehrfach überdacht und überarbeitet und in Gesetzestexten festgehalten.

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