Unsere Konfiarbeit reflected 3 – bunte Theorie

Das von Hans-Ulrich Keßler und Burkhardt Nolte geschriebene Buch zu ihrem Praxismodell „Konfis auf Gottsuche“ beschäftigt sich mit ihrer Vorstellung von zeitgemäßer Konfirmandenarbeit und bietet eine Vielzahl von Unterrichtseinheiten, sowie dazugehörige Materialien auf der beiliegenden CD-ROM. Bevor die beiden Theologen allerdings ihre praktische Themenerarbeitung präsentieren, leiten sie mit dem Kapitel „Eine Prise Theorie“ in ihre Überlegungen zu wertvoller und nachhaltiger Konfirmandenarbeit ein. Thematisiert werden hier grundlegende Dinge, wie das Verhältnis der Unterrichtenden und KuK., und die Frage, wo und wie Gott dabei eine Rolle spielt. Einen großen Schwerpunkt stellt das Vertrauen dar, welches von Keßler und Nolte genauer ausgelegt und definiert wird, um die Bedeutung, die „die Muttersprache des Vertrauens“[1] in Bezug auf Konfirmandenarbeit ihrer Meinung nach hat, zu verdeutlichen.

Im zweiten Kapitel „Das ganze Drumherum“ werden Rahmenbedingungen für die Umsetzung ihres Praxismodells bestimmt und erklärt. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Frage nach Kontrakten, also vertraglichen Regelungen für den Umgang während des Konfirmandenunterrichts zwischen Lehrenden, Lernenden sowie der Gemeinde und der Bedeutung von „Ehrenamtliche[n] in der Konfirmandenarbeit“[2].

Im dritten Kapitel präsentieren Keßler und Nolte die ausgearbeiteten Unterrichtseinheiten, welche in mehrere Themenbereiche unterteilt sind, wie zum Beispiel „Beten“ oder „Sterben und Leiden“

Einführung in die Theorie

Ausführlich von Keßler und Nolte behandelt wird die Frage nach dem Verhältnis zwischen KuK., Lehrendem und Gott. Sie grenzen sich gegen andere Konstellationen ab, in denen das Verhältnis, insbesondere zwischen Lehrendem und Lernenden, als defizitär beschrieben wird. Das hieße, dass Lehrende in Bezug auf den Lerngegenstand einen Wissensvorsprung hätten. Solche Entwürfe sind allerdings problematisch, da es sich bei dem Lerngegenstand der Konfirmandenarbeit um „Gott“ handelt. Genauso problematisch ist die „DuichstreicheldichganzsanftamOberarm – Variante“[3], in der sehr deutlich wird, wie wichtig es ist, als Lehrender Distanz zum Lernenden zu wahren. Eine gute und intakte Beziehung ist für pädagogische Arbeit das A und O, doch sobald der Lehrende aus seiner Rolle herausfällt und den KuK. nicht mehr als Autoritätsperson und Erwachsener, sondern als „Jugendlicher“ gegenübertritt, könnte das Verhältnis aus dem Gleichgewicht geraten. Darüber hinaus wird das Verhältnis, in welchem KuK. und Gott zu einander stehen, nicht richtig dargestellt. Gott scheint sich am Ende eines langen Weges zu befinden, den die Jugendlichen erst (und nur mit Hilfe des Lehrenden) beschreiten müssen.

Das führt Keßler und Nolte zu ihrem wohl wichtigsten Aspekt bezüglich des Umgangs mit Konfirmanden, nämlich „dass auch Konfis kein gottfreier Raum sind.“[4] Es ist also eine nicht-defizitäre Konstruktion, in denen Jugendliche und Lehrende in gleicher Beziehung zu Gott stehen und gegenseitig voneinander lernen können. Dieses Axiom ist für sie unumgänglich. Danach  legen sie dar, welch große Rolle das Vertrauen und Vertrauen- Lernen bei ihrem Konzept spielt. Hier beziehen sie sich auf theologiegeschichtliche Ereignisse und Entwicklungen, um zu zeigen, dass Glauben nicht allein aus dem Wissen über historische Tatsachen und Geschehnisse entspringt, sondern in einem tiefen Vertrauen auf Gott begründet ist und aus diesem lebt. Der Konfirmandenunterricht, der  das Ziel hat, die Möglichkeit zum Glauben-Lernen zu eröffnen, „muss [also] eine Vertrauens-bildende Maßnahme sein.“[5] Keßler und Nolte wissen, dass der Glaube an Gott selbstverständlich kein Resultat eines gelungenen Lernprozesses ist. Sie erklären, dass dieses Modell, diese Vertrauens-bildende Maßnahme, nur in Verbindung mit ihrer nicht-defizitären Grundannahme und der Wirklichkeit Gottes leben kann. Denn gestaltet man die Konfirmandenarbeit nach diesem auf Gott vertrauenden Prinzip, so ist davon auszugehen, dass auch die KuK. bereits in einer Beziehung zu Gott stehen und sie ihn, ob bewusst oder unbewusst bereits erfahren haben.

 

Die Methodik „Konfis auf Gottsuche“  beruht auf drei Säulen: ein Produkt, welches von den KuK. erarbeitet wird, eine Botschaft, die unweigerlich hinter diesem Produkt steht und eine Öffentlichkeit, in die jene Produkte mit dazugehöriger Botschaft gestellt werden. Keßler und Nolte definieren diese drei Säulen im Praxismodell genauer. Es ist wichtig, zu verstehen, in welchem Zusammenhang sie stehen und was sie ausmachen.

Feststeht für die Autoren, dass ein attraktiv gestaltetes Produkt Bildungsprozesse intensiver und schneller hervorruft, sowie die Aufmerksamkeit der Lernenden bündelt und in sich vereint. Die in ihren Unterrichtseinheiten zu erarbeitenden Produkte sind stets welche, die „Auskunft darüber [geben], wie die Herstellenden selbst zu dem Thema stehen“[6]. Das heißt also, dass in einem kreativen Prozess etwas erarbeitet werden soll, was die persönlichen Gedanken und Gefühle zum jeweiligen Inhalt repräsentiert, sprich eine Botschaft beinhaltet.

Damit sind Keßler und Nolte bei der zweiten Säule angelangt, der Botschaft. Gerade in Bereichen wie Religion und Glaube ist es wichtig zu verstehen, dass „unterschiedliche Menschen unterschiedliche Überzeugungen […] haben“[7]. Diese Meinungen und Ansichten der KuK. sollen zum Ausdruck kommen und zum Lerninhalt und Thema werden. Grundsätzlich ist keine Überzeugung falsch und keine Botschaft hinter einem Produkt nicht richtig.

Durch die dritte Säule „Öffentlichkeit“ soll das erarbeitete Produkt von den KuK. präsentiert werden. Diese Öffentlichkeit kann unterschiedlich aussehen. Sie kann ein Gottesdienst oder Gemeindefest sein. Meistens ist sie das Gruppenplenum. Dieser Aspekt ist Keßler und Nolte besonders wichtig. Sie erklären, dass das Christentum auf den Austausch und die Kommunikation des Evangeliums angewiesen ist und davon lebt. Das sollen die Jugendlichen durch das Vorstellen ihrer Ergebnisse lernen und erfahren.

 

Für Keßler und Nolte stellen auch Rituale in der Konfirmandenarbeit einen großen Schwerpunkt dar. Gerade für den Beginn und das Ende einer Einheit ist es nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Lehrenden hilfreich und schön zu wissen, was geschieht und worauf man sich einstellen kann.

Als Eingangsritual empfehlen Keßler und Nolte symbolische Handlungen, die die Stimmungen und das Befinden der KuK. wiedergeben. Z.B. das Legen eines Steins im Plenum, wenn es einem eher schlecht geht, oder das Anzünden einer Kerze, bei guter Laune. Die Jugendlichen können frei entscheiden, ob sie ihre Wahl kommentieren möchten oder nicht.

Auch Beten sollte einen Platz im Konfirmandenalltag einnehmen. Hierzu könnte man „Gebetskästen“ bauen, in die die Konfis Zettel werfen, auf denen sie ihre Ängste, Wünsche und Hoffnungen notieren. Gelehrt und gelesen würden diese dann von Gemeindemitgliedern, welche die Anliegen in ihre Gebete miteinbeziehen und regelmäßige Gespräche mit den KuK. führen.

Rituale sollten stets in sich schlüssig sein und regelmäßig ausgeführt werden. Sie stellen einen großen Halt für die Jugendlichen dar.

 


[1] Keßler/Nolte, Konfis auf Gottsuche, 9.

[2] A.a.O., 61.

[3] Keßler/Nolte, Konfis auf Gottsuche, 17.

[4] Keßler/Nolte, Konfis auf Gottsuche, 25.

[5] A.a.O., 29.

[6] Keßler/Nolte, Konfis auf Gottsuche. 39.

[7] A.a.O., 41.

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