Spielst du noch oder „suchtest“ du schon? Welches ist dein Onlinespiel?

Fast jeder hat so seine Geheimnisse. Auch, oder vor allem, bezüglich unseres Verhaltens in Bezug auf „Onlinespiele“ und Computerspiele aller Art.
Wie viel darf man, wie viel sollte man, wie viel ist cool, wie viel ist ungesund, wie viel ist ein Muss, wann ist es Sucht…? Und welche Spiele sind die Richtigen? Fragen über Fragen…Ich selbst genehmige mir eine tägliche Dosis „Onlinefussballmanager“. Das dauert zwischen 2 und 5 Minuten, ich fliege aber nicht raus, wenn ich mal ein paar Tage nicht „on“ bin. Da man auch nur bedingt Einstellungen vornehmen kann und jede Nacht auf einem Server irgendwo……  im Universum des WWW ein Fußballspieltag simuliert wird, ist die Gefahr zu viel Zeit mit dem „OFM“ zu verbringen auch eher gering!
Aber es gibt natürlich noch unzählige andere Spiele.

Das bekannteste und zumindest eine zeitlang wichtigste ist/ war sicherlich „World of Warcraft“. Ich gebe zu, ich kann damit persönlich nicht so viel anfangen, hab aber auch schonmal anderen beim zocken über die Schulter gelinst und war durchaus beeindruckt. Hier kann man sicherlich aufgrund eines absolut hohen Suchtptentials relativ schnell in eine Art „Tunnel“ abtauchen und rechts und links alles um sich vergessen…

Wieder andere Spiele scheinen eher harmlos, wie beispielsweise „Farmerama“, sind aber auch absolut geeignet, sich stundenlang vor dem Rechner aufzuhalten. Als was dient der Rechner dann? Wer hat hier wen im Griff? Aber Spaß macht es ja…! 🙂
Hmmm…

Und ohne den erhobenen Zeigefinger herausholen zu wollen, darf bei so einer (kleinen) Aufzählung natürlich nicht das typische Onlinepoker fehlen.

Dazu haben auch die Experten zum Thema „Suchtverhalten“ bei Computer- und Onlinegames ihre Meinungen.
Das ist alles recht interessant und deswegen haben wir mal einiges aus dem Internet zusammengetragen!

Aus der „Augsburger Allgemeinen“
Online-Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen
Immer mehr Jugendliche werden computerspielsüchtig. Woran man erkennt, dass jemand an Online-Spielsucht leidet und was man dagegen tun kann, das hat AZ-Online zwei Experten gefragt.

Immer mehr Jugendliche Computerspielsüchtig
In Augsburg gibt es zwei Einrichtungen, die sich mit Internet-Spielsucht und ihrer Behandlung befassen. Um süchtige und suchtgefährdete Jugendliche kümmert sich Florian Daxer, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychatrie im Augsburger Josephinum. Um Süchtige ab 18 Jahren kümmert sich Silvia Kratzer, Diplompsychologin, am Bezirkskrankenhaus Augsburg. AZ-Online hat die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um das Thema Online-Spielsucht zusammengestellt.

Wie viele Kinder und Jugendliche sind davon betroffen?
Zwischen ein und zwei Prozent der 12- bis 18-Jährigen. Weitere 3 bis 4 Prozent sind gefährdet. 80 bis 90 Prozent der Patienten sind allerdings männlich.

Welche Kinder und Jugendliche sind eher davon betroffen? Haben sie bestimmte charakterliche Eigenschaften?
Online-spielsüchtige Jugendliche und Erwachsene weisen meist auch Begleiterkrankungen auf. Das sind Erkrankungen aus dem Angstspektrum oder Depressionen. Die Betroffenen sind meist sozial nicht so integriert. Oftmals eher introvertiert bis sozial-phobisch. Oder sie tun sich schwer, soziale Kontakte zu knüpfen. In den Internet-Rollenspielen haben sie die Möglichkeit einen Charakter zu erschaffen, den sie vorschicken können. Mit ihm haben sie weniger Angst abgelehnt zu werden. Auch, weil die meisten Spiele so angelegt sind, dass man zusammen spielen muss, dass man als Einzelner auf die Mitspieler angewiesen ist. Außerdem kann man die Beziehungen in den Rollenspielen besser und einfacher kontrollieren.

Aus welchen Familien kommen die betroffenen Kinder und Jugendliche?
Sie stammen aus allen Schichten und allen familiären Konstellationen. Auch wenn „Broken-Home“-Situationen natürlich ein gewisses Risiko bergen. Häufig sind die Betroffenen mit nur einem Elternteil groß geworden. Mutter und Vater hatten nicht so viel Zeit, so dass sie die Kinder an etwas anderes wendeten. Die Sehnsucht der Kinder nach Verbindung und Unterstützung befriedigt dann die Maschine. Daraus resultieren ofttraurige Verstimmungen, Ängste bis hin zur Depressionen.

Wie erkenne ich, dass jemand an Online-Spielsucht leidet?
Grundsätzlich ist es schwer zu erkennen. Denn in der medien-dominierten Gesellschaft ist es normal geworden, dass Jugendliche viel Zeit am PC verbringen, und das, ohne zu süchtig zu sein. Es sind viele Komponenten, die zusammen spielen. Man erkennt es daran, dass derjenige Hobbies aufgibt, dass Sozialkontakte vernachlässigt werden, dass sich das Schlaf- und Essverhalten verändert. Weiter kommt es zu einem Leistungsabfall. Es besteht kein Interesse mehr an Beruf oder Schule. Der Betroffene zieht sich sozial völlig zurück. Alles ordnet sich dem Spiel unter. Und er bleibt weiter dabei, obwohl es negative Folgen hat wie Verlust von Freunden oder Ärger in der Schule oder auf der Arbeit. Außerdem kommt es zu Entzugserscheinungen, wenn der Betroffenen einmal nicht spielen kann. Dann reagiert er auch mit Aggression oder sozialen Rückzug. Darüberhinaus steigert sich der Konsum.

Was können Eltern und Freunde tun?
Eltern können präventiv wirken, indem sie überschaubare Regeln aufstellen und klare Absprachen treffen, wann die Kinder den PC nutzen dürfen und wann nicht. Essen am Computer sollte sowieso tabu sein. Die Eltern sollten mit ihren Kindern darüber reden, Interesse zeigen, an dem, was die Kinder im Internet machen. Neugier und Kreativität zu fördern, sollte sowieso immer ein Ziel der Erziehung sein. Falsch ist es, den Computer und das Internet zu verteufeln. Vielmehr müssen sich Eltern damit auseinandersetzen, um zu verhindern, den Draht zu ihrem Nachwuchs zu verlieren. Außerdem können sie ihnen auch immer ein gutes Vorbild sein, das heißt, selbst nicht allzu viel Zeit vorm Rechner zu sitzen.

Wenn man merkt, dass die oben genannten Merkmale schon eingesetzt haben, muss man einen Fachmann kontaktieren.

Wie geschieht in einer solchen Therapie?
Die Therapie ist sehr komplex. Bei der stationären Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychatrie sind die Kinder und Jugendliche meist mindestens drei Monate. Sie kommen nicht freiwillig in die Klinik, deshalb müssen die Ärzte zu ihnen ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Wichtig ist ein geregelter Tagesablauf, Gruppenunternehmungen, ein soziales Miteinander und natürlich dass die Begleiterkrankungen wie Depressionen und Ängste behandelt werden. Dann werden die jungen Patienten wieder an den PC herangeführt, indem sie alltägliche Aufgaben bewältigen wie Bewerbungen schreiben. Sie müssen lernen, kontrolliert mit dem PC und dem Internet umzugehen. Nach den drei Monaten gehen sie wieder zurück in die Familie und in ein betreutes Wohnprojekt. Therapien gibt es auch ambulant. In der Kinder- und Jugendpsychatrie sind die Online-Spielsüchtigen mit anderen suchtgefährdeten Jugendlichen zusammen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind bei allen Süchtigen die gleichen Hirnregionen betroffen. In der Erwachsenenpsychatrie geht das allerdings nicht. Einen Heroinabhängigen kann man nicht zusammen mit einem Rollenspieler therapieren. Bei Silvia Kratzer im Bezirkskrankenhaus schaut die Behandlung ähnlich aus. Auch hier werden die Patienten mit gruppentherapeutischen Maßnahmen wie Töpfern, Malen, Schwimmen und ähnlichem behandelt. Im Unterschied zu den Jugendlichen unterhalten sich Patient und Psychologe hier auch über ein Ziel. Weniger Spielen oder gar nicht mehr spielen. Das kann ganz unterschiedlich sein.

Was ist das beliebteste Spiel?
Ganz eindeutig „World of Warcraft“. Während es 2005 nur drei Millionen weltweit spielten, waren es im Oktober 2010 schon zwölf Millionen Nutzer. Das Spiel spricht die Sucht der Spieler am offensichtlich am besten an. Immer wieder kommen neue Bereiche hinzu. Außerdem müssen die Anwender immer dabei bleiben, um ihren Charakter weiter zu entwickeln. Darüber hinaus muss vieles im Spiel zusammen erledigt werden. Das heißt, die Spieler sind aufeinander angewiesen. Das übt Druck aus.

Auf „Guter-Rat.de“
Wie Jugendliche von der virtuellen Welt abhängig werden
Fragen an Prof. Dr. Sabine Grüsser-Sinopoli, Leiterin der Medizinischen Psychologie und Soziologie an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Mainz

Zwanghafte Spieler verbringen ganze Tage im virtuellen Universum. Psychologen stufen diese Abhängigkeit mittlerweile als ernste Gefahr ein. Handelt es sich dabei wirklich um eine Sucht?
Ja. Durch eine Studie an der Berliner Charité wissen wir, dass jeder zehnte Computerspieler süchtig bzw. suchtgefährdet ist. Doch anders als bei Alkohol und Drogen sprechen wir hier von einer »nicht stoffgebundenen« Sucht oder vom »exzessiven Spielen«. Typisch ist, dass die Betroffenen ihr Spielverhalten nicht mehr kontrollieren können und Entzugserscheinungen entwickeln, wenn sie nicht am Bildschirm sitzen.

Ist das bei einer Drogenabhängigkeit nicht ähnlich?
Im Gehirn eines exzessiven Computerspielers laufen in der Tat ähnliche Reaktionen ab wie bei Alkohol-, Nikotin- und Cannabissüchtigen. Das kann man auch bei einer Gehirnstrommessung, der EEG, erkennen.

Was passiert im Gehirn?
Während des Spielens führen unter anderem positive Erlebnisse dazu, dass der »Glücksbotenstoff« Dopamin freigesetzt wird. So lernt der Spieler, dass dieses Verhalten die optimale Strategie ist, sich selbst zu belohnen. Gleichzeitig stumpft das Gehirn für andere Reize und Verhaltensweisen ab, die ebenfalls das Belohnungszentrum aktivieren könnten. So entsteht eine psychische Abhängigkeit.

Wer ist besonders gefährdet?
Vor allem Menschen, die in ihrer psychischen Entwicklung nicht gefestigt sind. Für sie ist der Computer oft die einzige Möglichkeit, mit Emotionen umzugehen. Die Spiele werden gespielt, weil sie ein gutes Gefühl vermitteln oder ein unangenehmes verdrängen.

Wie entwickelt sich aus einer normalen Computer- und Internetnutzung eine Sucht?
Am Anfang steht der Spaß am Spiel, die Freude, etwas zu bewältigen, Kontrolle auszuüben oder in Phantasiewelten einzutauchen. Dem Süchtigen aber dient das Spielen oft noch zu etwas anderem: einer schwierigen Realität zu entkommen, sein Selbstwertgefühl zu steigern, Macht auszuüben und Stress zu bewältigen. Gelingt das mithilfe des Spielens, lernt das Gehirn wie bei einer Droge: In der virtuellen Welt vermag ich alles. Das Bewältigen der realen Probleme gelingt dagegen immer schlechter.

Was sind die Folgen?
Süchtige verlieren jegliches Gefühl, wie lange sie vor dem PC sitzen. Spielen sie nicht, treten Entzugserscheinungen wie Nervosität, Unruhe und Schlafstörungen auf.

Woran können Angehörige erkennen, ob jemand süchtig bzw. gefährdet ist?
Süchtige verändern nach und nach ihr Freizeitverhalten. Statt sich mit Freunden zu treffen oder Sport zu treiben, sitzen sie vor dem Computer. Die schulischen Leistungen lassen nach. Dramatisch wird es, wenn Jugendliche depressiv, aggressiv oder gar handgreiflich werden, weil ihnen Internetnutzung oder Computerspiele verboten werden. Manche drohen sogar mit Selbstmord. Spätestens dann sollten bei den Eltern die Alarmglocken schrillen. Hier ist professionelle Hilfe nötig!

Merken Spielsüchtige von selbst, dass sie Hilfe brauchen?
Für Kinder und Jugendliche ist der Leidensdruck nicht so groß. Ihre Existenz ist ja durch die Familie gesichert: Der Strom fließt, sie haben ein Dach überm Kopf und es gibt immer etwas zu essen. Spielverbote sehen sie eher als typische »Elternstrafe« an, nicht als therapeutische Maßnahme. Deshalb sind es die Erziehungsberechtigten, die die Notbremse ziehen müssen. Erwachsene spüren die Folgen ihrer Sucht dagegen deutlich: Manche riskieren sogar ihren Job, gefährden ihre Existenz, weil sie sich nicht vom Computer losreißen können. Unter diesem Druck sind sie oft eher bereit, etwas zu unternehmen.

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