Paris-Fahrt Teil 7: „Invalidentour“

Die „Invalidentour“ – letzter Teil unserer kleinen Paris-Serie
Glücklich gewählt war der Titel „Invalidentour“ sicher nicht. Im Gegenteil stand unsere Tour kulturell der „Tour Kultur“ in nichts nach…. Mittelpunkt war – nomen est omen- der Invalidendom, eine der Top-Sehenswürdigkeiten von Paris, die wir aber dennoch alle noch nie besichtigt hatten. Bei frostigen Minusgraden, aber strahlendem Sonnenschein zogen Frauke, Ricky, Naemi und Ruth los, um diese Wissenslücke zu schließen.
Der kasernenartige Komplex des Hôtel d’Invalides aus dem 17. Jahrhundert sollte Kriegsversehrten eine Heimstatt bieten. Diejenigen, die nicht allzu schwer beeinträchtigt waren, konnten hier den soldatischen Alltag beibehalten. Täglich wurde auf dem großen Innenhof exerziert und Wachposten eingeteilt. Wahrscheinlich war das so ziemlich die einzige soziale Einrichtung, die unter Louis XIV. entstand, denn der interessierte sich sonst eher wenig für seine Untertanen. Heute sind in allen vier Flügeln … … des Hôtel historische Museen untergebracht.
Mein persönliches Interesse galt aber vor allem dem Grabmal von Napoleon Bonaparte, DEM Franzosen in der Geschichte. Dass das wirklich dem Empfinden der Franzosen entspricht, davon konnten wir uns überzeugen. Das Grabmal liegt in der riesigen Kuppelkirche, die an das Hôtel d’Invalides anschließt, daher der Name „Invalidendom“. Louis XIV. hatte diese Kirche um 1690 vermutliche als eigene Grabkirche errichten lassen, sich dann aber doch für eine andere Grabstätte entschieden. Und dass der französische „Sonnenkönig“ nicht an Prunk und Pracht geizte, ist allgemein bekannt. 1840 wurde dann per Gesetz beschlossen, den Invalidendom zur Grabstätte Napoleons umzubauen- da war Napoleon schon 19 Jahre tot. Nochmal zwanzig Jahre vergingen, bis die Beisetzung in der fertiggestellten Krypta endlich stattfinden konnte.
Es mutet etwas absurd an, dass grade Napoleon, der wie kein anderer die Trennung von Staat und Kirche vorantrieb, in einer ehemaligen Staatskirche begraben liegt, die den gottgewollten König als Oberhaupt seiner Staatskirche repräsentierte. Aber, man kann es nicht anders sagen, die Grabstätte ist in jeder Hinsicht herrschaftlich! Der Sarkopharg (der aus nicht weniger als fünf ineinander verschachtelten Sarkophagen besteht!) thront in der Mitte einer nach oben offenen Krypta, die sich exakt unter der Domkuppel befindet. Drumherum gruppieren sich zwölf sogenannte Viktorien-Statuen, die mythologischen Verkörperungen der zwölf großen militärischen Siege Napoleons. Ein Umlauf rund um den Sarkopharg zeigt in zwölf Reliefs die großen politischen Neuerungen Napoleons, wie z.B. die Herstellung von Recht und Freiheit, Wohlstand und Ordnung, alles im Stil römischer Kaiser. Das grenzt schon alles sehr an Heiligenverehrung. Ob das in Napoleons Sinne gewesen wäre?? Ich bin mir nicht sicher. Beeindruckend ist es auf jeden Fall.
Für die vier Museen im Hôtel blieb leider nur noch viel zu wenig Zeit. Zumindest haben wir noch den weiß-blauen Soldatenrock gesehen, den Napoleon auch auf dem berühmten Gemälde trägt. Wahrscheinlich hätten wir noch den ganzen Tag dort verbringen können. Aber auch so haben wir einiges gelernt über französischen Nationalstolz und das wohl doch nicht immer so eindeutig zu trennende Verhältnis von Staat und Kirche. Im Falle der Reformierten Gemeinde Aubervilliers hingegen gelingt diese scheinbar recht gut…
Unser Ausflug endete mit heißen Crêpes auf der Hand mit einen letzten Blick auf dem Invalidendom, ehe wir uns wieder auf den Weg nach Hause machen mußten.
Und durch unsere Diskussionen über das napoleonische und französische Selbstbewußtsein auf der Fahrt zurück zum Foyer le Pont haben wir die Tour Kultur mit Sicherheit kulturell endgültig in die Tasche gesteckt! 🙂

Viele Grüße, eure Ruthi

So, das solls jetzt auch erst einmal von Paris gewesen sein- vielen Dank an alle Schreiberlinge, aber vor allem an die Mitarbeitenden des FlP in Paris und ganz besonders an Herrn Wetter vom LKA!

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