Paris-Fahrt Teil 3: Das „Protestantische Paris“

Spuren im Laden und in der Tiefgarage – eine Stadtwanderung durch das protestantische Paris
Man sieht sie nicht auf den ersten Blick- die Spuren des Protestantismus in Paris.
Mit der U-Bahn fahren wir in den Ortsteil Quartier Latin, wo sich in den vierziger und fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts Schriftstellerinnen und Philosophen wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre in den Cafés trafen. Die Führung beginnt an der Abtei Saint-Germain-des-Prés, der ältesten Kirche von Paris von 1163. Der Abt Guillaume Briconnet versammelte Anfang des 16. Jahrhunderts Theologen und Humanisten; sie nannten sich Freunde der Bibel, les amis bibliciens. Die Anhänger der Reformation trafen sich heimlich, in Kellern von Häusern, die …  … unterirdisch miteinander verbunden waren. Reste dieser Gemäuer können wir in einem Laden für Möbel und Design sowie in einer Tiefgarage sehen. Unter dem Pflaster in der Rue Visconti fand 1555 die erste reformierte Taufe statt. 1559 hat sich dort in einem Keller in einer „Nationalen Synode“ die reformierte Kirche in Frankreich gegründet. Es gibt nirgendwo ein Schild, das an dieser Stelle an die 3000 toten Hugenotten (die französischen Protestanten werden „Hugenotten“ genannt, von „Hausgenossen“) erinnert, die auf dem Höhepunkt der Religionskriege in wenigen Stunden in der Nacht zum 24. August 1572 getötet wurden. Diese Nacht ging als „Bartholomäusnacht“ in die Geschichte ein.
Unser Stadtrundgang führt uns über die Fußgängerbrücke „Pont des Arts“ zum Louvre. Unzählige kleine Schlösser hängen an der Brüstung, mit Initialen und Datum versehen. Nördlich des Louvre endet unser Rundgang am Denkmal des Admiral Gaspard de Coligny, ein Militärstratege und Hugenottenführer, der als einer der ersten in der Bartholomäusnacht hingerichtet wurde. Das Denkmal ist 1889 als Mahnmal errichtet worden, mit Spenden von Bürgern; auch katholischen. Die Hugenotten überlebten bis zur Herrschaft Napoleons nur im Untergrund. Immer wieder kam es zu großen Flüchtlingsbewegungen, auch in Rheinland und nach Berlin/Brandenburg. Heute leben in Frankreich rund eine Million Menschen evangelischen Glaubens. Dieser Stadtrundgang war eine sehr gute Vorbereitung auf den Besuch in der protestantischen Gemeinde in Aubervilliers am Nachmittag, da uns die geschichtlichen Dimensionen vor Augen geführt worden sind.

Viele Grüße, eure Frauke

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