Noch jemand Käsehäppchen?

Eine Abendmahlserfahrung…
kas2Im Mai und Juni ist es endlich wieder so weit: im Bekanntenkreis und in der Heimatgemeinde stehen die Konfirmationen an.
Ich freue mich immer, eine Gelegenheit zu finden um den Gottesdienst anderer Gemeinden zu besuchen. Ähnlich wie bei dem Motto „andere Länder, andere Sitten“ gibt es in anderen Gemeinden wirklich viel zu entdecken.
Doch am abgefahrensten erscheint mir die Abendmalserfahrung bei der Konfirmation eines Bekannten.Der Gottesdienst war wirklich schön. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden waren alle sehr feierlich zurecht gemacht und sichtlich aufgeregt. Es gab einen tollen Chor und es wurden schöne Lieder gesungen. Auf das Abendmal habe ich mich besonders gefreut. Als es dann endlich so weit war, wurde die Gemeinde gebeten, sich vor dem Alter zu versammeln. Ziemlich viele Gottesdienstbesucher, vor allem Verwandte und Freunde der Konfirmandinnen und Konfirmanden drängten sich nach vorne, um das Abendmal zu empfangen. Ein großes Gedrubbel entstand im Alterraum. Die Besucher bildeten keinen Kreis, sondern blieben dort stehen, wo sie es gerade nett hatten – so kam es mir zumindest vor. Dann ist es besonders ärgerlich, wenn man einen circa 1,90m großen, sehr breitschultrigen Mann vor sich stehen hat. Meine Sicht auf das Abendmalsgeschehen war dementsprechend eingeschränkt. Ich begann mich zu fragen, wie der Pfarrer dieses unübersichtliche Gedränge wohl mit Brot und Wein versorgen wollte!
Zwischen zwei älteren Damen konnte ich den Pfarrer sehen. Er nahm den Teller mit den Hostien vom Altar und stellte sich vor den mir die Sicht versperrenden Zweimeter-Mann.
„Christi Leib für dich gegeben.“, sagt der Pfarrer mit ruhiger Stimme und gab seinem Gegenüber eine Hostie.
„Danke“, grummelte der Mann zurück und schob sich die Hostie in den Mund. Der Pfarrer blieb vor dem Mann stehen, bis dieser fertig war mit Kauen. Dann, ganz unvermittelt drückte er ihm den Silberteller in die Hand. „Weitergeben!“
Der Mann war sichtlich überrascht und verwirrt. Doch der Pfarrer hatte sich bereits abgewandt und ging zurück zum Altar, um den Kelch zu holen. Der Mann zuckte mit den Schultern und reichte den Teller seiner Nachbarin. „Mh, hier.“, schnaubte er.
Und so ging der Teller mit den Hostien durch die Menge, begleitet von einem ständigen Flüstern: „Hatten Sie schon?“, „Ähm, hier, nehmen Sie mal bitte“, „Wer braucht noch?“
Nicht anders wandertete der Kelch umher. „Achtung, sehr voll!“, „Hier, bitte sehr.“, „Hatten Sie schon?“ oder „Ich brauch‘ noch Brot!“
Ich war ziemlich entsetzt. Was die Abendmalsfeier anbelangt, so würde ich mich nicht als koservativ bezeichnen. Doch eine gewisse Feierlichkeit wünsche ich mir schon.
So schnell wie Hostien und Wein an mir vorbeiflogen, konnte ich nicht gucken. Es hätte mich nicht gewundert, wenn mir anstelle des Brotes Käsehäppchen oder Mettigel gereicht werden würden. Die Atmosphäre jedenfalls hätte es zugelassen.
Und so stand ich ganz entsetzt zwischen den Gottesdienstbesuchern, meine Hostie in der Hand und neben mir eine ältere Dame: “ ‚Tschuldigung, aber der Wein muss noch hier her zu uns…“

Viele Grüße, eure Naemi

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