Mein Lauf durch Düsseldorf

Start Metro Marathon

Es begann mit einem Halbmarathon 2009. Zu dem hatten mich Freunde motiviert, die seit Längerem dort mitmachten. Also hab ich gesagt: Das will ich mal ausprobieren. Seit 2007 jogge ich regelmäßig. Zuerst auf dem Laufband, um mein Tempo zu kontrollieren und nicht zu schnell außer Atem zu gelangen. Mit der Zeit habe ich immer mehr Spaß daran gewonnen und laufe gerne am Rhein entlang- autofrei und mit wunderschönem Panoramablick. Durch das unterstützende Krafttraining der Beine, das meine Knie entlastet, habe ich keinerlei Schmerzen mehr beim Rennen- auch nicht bei längeren Strecken. Manchmal ist es ein Gefühl, als würde man fliegen; gerade wenn man den Wind im Rücken hat oder es eine leichte Neigung bergab gibt, was an den Brückenabgängen ja immer der Fall ist. Für mich ist Laufen ein meditatives Erlebnis. Durch den wiederkehrenden und ständig sich wiederholenden Schritt stellt sich ein Zustand ein, der mich innerlich zutiefst entspannt. Dazu kommt, dass ich während des Laufens Lieder summe, die mich in meinem Rhythmus unterstützen. Meist sind es Lieder aus Taizé- kurz und einprägsam.
Nachdem also mein erster Halbmarathon im Juli 2009 ein berauschendes Erlebnis gewesen war und ich im vergangenen Jahr mit nur wenig Training (einmal in der Woche 5-10 km) in fast derselben Zeit die 21 km absolviert hatte, wuchs in mir der Gedanke, dass ich die Herausforderung eines ganzen Marathons reizvoll fand. Ich wollte es wenigstens mal ausprobieren, die gesamten 42,19 km zu laufen. Mein Motto war: Versuchen und gucken, wie’s wird. Bücher übers Laufen versprechen ja auch, dass eigentlich jeder Mensch, dessen physische Voraussetzungen es zulassen, einen Marathon laufen kann.
Also habe ich im vergangenen Herbst angefangen, regelmäßig zu trainieren. Eine Mischung aus Laufen, Schwimmen, Radfahren und Krafttraining. Im Dezember hab ich mich zum Marathon angemeldet. Seit Februar habe ich einen 10-Wochen-Plan aus einem Laufbuch befolgt, den ich mit einem Trainer abgesprochen habe.
In der letzten Woche vor dem Start stieg mein Lampenfieber und mein Adrenalinpegel. Am Rheinufer wurden Vorbereitungen getroffen, Zelte aufgebaut, Bereiche abgetrennt. Ich sah an vielen Stellen in der Stadt schon Absperrungen platziert; auch vor unserm Haus, wo immer der Lauf vorbeigeht und wo ich in den letzten 6 Jahren immer zugeschaut hatte. Allein deshalb wollte ich mal selbst dabei sein.
Tja, und am vergangenen Sonntag war es dann soweit. Ich hatte sehr gut geschlafen und bin um halb 7 aufgestanden. Eine Toastscheibe und eine Banane waren mein Frühstück. Dazu mein schwarzer Tee und kurz vorm Losgehen noch ein Espresso. Dann ging es zur Tonhalle, wo um 9 Uhr der Startschuss fiel. In einem Pulk von Tausenden von laufenden Menschen ging es los. Meine Armbanduhr sagte mir immer mein eigenes Tempo an.
Für meinen ersten Marathon hatte ich zwei Ziele: Ich möchte mich beim Rennen nicht stressen, sondern den Lauf genießen. Und: Ich möchte möglichst schmerzfrei ankommen.
Was soll ich sagen?! Es war ein riesengroßer Genuss und Spaß!
Die Stadt einmal im Laufen zu erkunden und dabei von Sambagruppen, Straßenbands, Straßenfesten, Verpflegungsstationen und vielen, vielen Menschen am Straßenrand begleitet und unterstützt zu werden, hat mir total gut gefallen. Ein laufendes Stadtfest sozusagen, bei dem ich teilnehme und mittendrin dabei bin. Ich bin in Stadtteilen gewesen, die mir noch unbekannt waren. Und seit Sonntag bewege ich mich anders in meiner Stadt. An vielen Stellen fang ich an zu grinsen und denke: Hier bist du am 29. April langgerannt.
Meine eigene Verpflegung mit Traubenzucker und Mineralien habe ich gut eingeteilt – wie vorher mit meinem Trainer besprochen. Ich konnte mein Tempo halten, wurde von Krämpfen verschont und hatte nur bei Kilometer 37 ein kleines Tief, wo meine Füße anfingen, zu glühen. Zwischendurch hatte ich den Verdacht, dass die Straße mit Klebstoff versehen war. Auf der Kö waren es schließlich nur noch 2 km, die es zu bewältigen galt. Das gab mir Auftrieb für die letzten 12 Minuten. Die letzten Meter führen am Johannes-Rau-Denkmal vorbei auf die untere Rheinuferpromenade. Das war ein wirklich sehr bewegender Moment für mich. Es ging bergab auf den Rhein zu. Dann rannte ich dem Zieltor entgegen, fühlte mich wie Rocky, der die Stufen hochrennt und dann die Arme zum Jubeln hochreißt- und war einfach nur glücklich. Nach vier Stunden und 13 Minuten war ich am Ziel.
Ich kann es von Herzen wirklich weiterempfehlen: Leute- lauft! Lauft euch frei! Setzt Euch ein Ziel, arbeitet daraufhin, und fühlt das Glück! Das Glück und die Freude, die Herausforderung angenommen und es geschafft zu haben.

Eure Frauke Müller-Sterl

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Ein Kommentar zu Mein Lauf durch Düsseldorf

  1. Liebe Frauke,
    das ist ein sehr schöner Bericht. Herzlichen Glückwunsch und meinen Respekt für diese Leistung.
    Nils

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