Kirchentag 2011 – Die Versammlung der Glücks-, Sinn-, und Lebensstilsucher

Ein persönliches Fazit zum Kirchentag 2011
Als erstes ging die Spüliflasche rum: was möchte ich vom Kirchentag abwaschen – was war nicht so toll? Die 42 TeilnehmerInnen unserer Gruppe saßen im Kreis im Flur des St. Benno Gymnasiums, das für 4 Nächte unser Zuhause auf dem Kirchentag in Dresden war. Es waren vor allem wehe Füße und der wenige Schlaf, die als negativ genannt wurden. Aber auch, dass wir als Gruppe eigentlich kaum etwas mit allen zusammen gemacht haben bzw. machen konnten. Wir waren einfach zu viele.Dann wurden die Umschläge geöffnet. Beim Vorbereitungstreffen am 25.5. hatten alle ihre Erwartungen aufgeschrieben und in die Umschläge getan. Bei den meisten waren die Erwartungen übertroffen worden. „Ich bin froh, dass ich mitgefahren bin,“ sagte eine Teilnehmerin, die zum ersten Mal auf einem Kirchentag war. Einzelne Highlights wurden genannt: die Band Sacrety, das Morgengebet um 6 Uhr auf der Frauenkirche nach durchgemachter Nacht, das Rockoratorium „Die zehn Gebote“ von Dieter Falk, die Stadt Dresden und vieles, vieles mehr. Natürlich sind auch neue Freundschaften entstanden und Kontakte geknüpft worden.
Mit dem Wetter hatten wir wirklich Glück. Dresden hat sich in allem von seiner besten Seite gezeigt. Unsere Unterkunft war außerdem nur 7 Minuten Fußweg von der Innenstadt entfernt, so dass wir auf volle Bahnen oft verzichten konnten. Das Team vom St. Benno Gymnasium war total freundlich, das Frühstück wurde professionell und gelassen serviert, die ganze Schule war hell und freundlich.
Und was ist nun „Kirchentag?“ Vielleicht kann man sagen: ein gigantischer Markplatz. Da diskutieren welche über Gesellschaft und Glaube, hier stellen sich Initiativen für Entwicklungshilfe, Arbeit mit Menschen mit Behinderung, Pfadfinder, Umweltinitiativen dar. Hier gibt es Konzerte christlicher Pop-, Rock-, Metalcorebands, da treten Stars auf wie Aura Dione, die nicht direkt was mit Kirche zu tun haben. Die einen haben ein straffes Programm, die nächsten chillen auf dem Alten Markt vor McDonald’s oder auf den Elbwiesen. Es gibt viele, die das als beliebig kritisieren. Ich finde aber, dass es die Offenheit der evangelischen Kirche zeigt und dass der Kirchentag davon lebt, dass es genug Menschen auf ihm gibt, die offen und neugierig sind.
Denn neben der Kritik an der scheinbaren Beliebigkeit gibt es ja auch andere, die das Ganze kritisch sehen. Wie z.B. die, die denken, dass auf dem Kirchentag nur verstrahlte Ökochristen rumlaufen, die einen missionieren wollen. Oder die, denen nicht genug gebetet wird und denen der Kirchentag zu politisch und zu links ist. Es gibt radikale Atheisten, die in Leserbriefen die Abschaffung der Religion fordern und zu Widerstand gegen die Kirche aufrufen und auf der anderen Seite radikale Christen, die nur Toleranz für andere ihresgleichen aufbringen.
Zugegeben: Offenheit und Neugierde sind erst mal keine Werte an sich. Aber sie sind ein guter Start, und die evangelische Kirche ist für mich ein offenes Projekt, die allen Platz bietet: denen, die meinen schon alle Antworten zu haben, und denen, die auf der Suche sind. Ich finde, dass wir uns als Friedenskirche auf die Seite der Suchenden schlagen sollten. Denn wichtig ist für mich, dass Vertrauen und Toleranz die Grundlage sind. Alles andere könnte ich nicht mit dem vereinbaren wie ich Gott erfahre. Und so offen und vertrauensvoll habe ich uns als Gruppe auch auf dem Kirchentag erlebt (und erlebe es so auch im Alltag unserer Gemeinde).
In der Süddeutschen Zeitung vom 4.6. habe ich ein gutes Fazit zum Kirchentag gefunden. „Man kann über den Kirchentag in Pink und Neongrün lächeln, sich über die Indianerzelte der evangelischen Männerarbeit lustig machen. Man kann das dargebotene neue christliche Liedgut schwer erträglich finden, Margot Käßmann zu emotionsgeladen, die Polit-Foren dagegen zu althergebracht und konfrontationsarm. Die Versammlung der Glücks-, Sinn-, und Lebensstilsucher aber zeigt: es steht noch nicht so schlimm mit diesem Land, wie es manchmal erscheint. Es kann auch Spaß und glücklich machen, Gott und Sinn zu suchen. Und: es ist gut, über das richtige Leben zu reden, zu streiten. Die Rettung der Welt aber kann man gelassen höheren Mächten überlassen.“ (Matthias Drobinski, Viel Glück in Dresden, SZ Nr. 128 v. 4./5.6., Seite 4)
In diesem Sinn freue ich mich auf den 1. Mai 2013. Da geht es nämlich mit dem Kirchentag in Hamburg weiter.

Und zur „Einstimmung“ gibt es HIER ein paar Fotos aus Dresden…
Christoph Sterl

 

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