Erkundungstag im Archiv des Düsseldorfer Landeskirchenamts

Die Sommerferien liegen noch nicht so lang hinter uns und wir fragen uns schon jetzt, wann denn endlich der nächste Sommer kommt…
Was konnten Kinder während der Ferienzeit noch anderes erleben als Düsselferien, Freizeiten, Schwimmbad besuche und mit den Eltern wegzufahren?
Reichlich! Einige Kinder hatten großes Glück und durften an einer ganz besonderen Aktion teilnehmen:
Beim Erkundungstag am 15. August 2012 konnten die Kinder der Mitarbeiter im Landeskirchenamt (LKA) der Evangelischen Kirche im Rheinland einen Vormittag lang das tägliche Arbeitsumfeld ihrer Eltern erkunden. Auch das Archiv der EKiR beteiligte sich mit einem Programmpunkt an der Gestaltung des Tages.
Bei einem Streifzug durch die Magazinräume des Archivs unternahmen fünf Kinder zwischen 12 und 15 Jahren zusammen mit Archivleiter Dr. Stefan Flesch und Archivarin Ruth Rockel eine Zeitreise über beinahe 700 Jahre entlang von Schriftstücken. Den Auftakt bildete eine Sachakte aus dem Bestand 1OB 017, wie sie auch heute noch massenhaft im täglichen Betrieb des LKA produziert werden. Die Akte stammt aus den späten 70er Jahren. Bei genauerer Betrachtung erfuhren die Kinder, warum Papier vergilbt und warum bei der modernen Archivierung auf Metall verzichtet wird. Die nächste Station führte gut 50 Jahre weiter in die Vergangenheit, zu der Personalakte des Pfarrers Carl Peter Adams aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. An ihr konnten die Kinder die Vor- und Nachteile der Fadenheftung nachvollziehen und die Grundsätze des personenbezogenen Datenschutzes kennenlernen. Während bei der ersten Akte noch gut leserliche Maschinenschrift überwog, stellte der handschriftliche Lebenslauf Adams die Kinder vor erste Leseschwierigkeiten.
Noch größere Schwierigkeiten beim Lesen bereitete die dritte Station, eine Lehnsurkunde aus der Gemeinde Issum aus dem Jahr 1712. Dafür konnten die Kinder die Funktion von Urkundensiegeln und die Besonderheiten von Pergament kennenlernen und auch der Inhalt konnte dank einer dem Bestand beiliegenden Transkription erschlossen werden.
Die vierte Station bildete ein Band aus dem Bestand des Provinzialkirchenarchivs mit Synodalprotokollen aus den Jahren um 1600. Die Lesbarkeit erwies sich als ähnlich schlecht, wie bei der vorherigen Station. Was der Band aus Hadernpapier aber besonders deutlich demonstriert, ist die Verwendung von Japanpapier zur Papierrestaurierung.
Als fünftes gab es dann noch einmal eine Urkunde zu sehen. Diesmal handelte es sich um das Testament der an der Pest erkrankten Eheleute von Eyß, die der reformierten Gemeinde Aachen 100 Taler hinterließen. An der schwarzen Farbe der angehängten Siegel erkannten die Kinder nun selbstständig, dass es sich nicht um adelige Aussteller handelte. Bei Leseversuchen konnten sie zumindest noch einzelne Wörter identifizieren.
Beim sechsten und letzten Dokument, einer Urkunde des Trierer Erzbischofs aus dem Jahr 1275, kam zu dem Schriftproblem noch ein Sprachproblem hinzu: sie ist in Latein abgefasst. Mit ein wenig Hilfe gelang aber zumindest die Datierung anhand der römischen Zahlen problemlos.
Um neben den verschiedenen Beschreibstoffen auch noch einen außergewöhnlicheren Schreibstoff als Tinte kennenzulernen, konnten die Kinder zuletzt noch einen Blick auf den erstaunlich gut erhaltenen sog. „Blutbrief“ des Gerhard Tersteegen von 1724 werfen, der – wie der Name verrät – nachweislich mit menschlichem Blut geschrieben wurde.
Nach dieser Zeitreise wurden im Benutzerraum des Archivs eigene Urkunden gebastelt. Mit schwarzem Tee wurden die weißen Blätter auf „alt“ getrimmt und anschließend mit Hilfe von Schrifttabellen in Sütterlinschrift beschriftet. Zu guter Letzt erhielten die Kinder als Bezahlung für ihre „Schreiberdienste“ eine Milliarde Mark in Form eines Notgeldscheins von 1923, der sie als Souvenir an ihren Besuch im Archiv erinnern soll.

Den Artikel gibt es auch auf der Internetseite des EKIR-Archivs!

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