Die Weihnachtsgeschichte von Konfis

Ich hatte nie wirklich viel mit Weihnachten verbunden; ich hatte auch nie wirklich erfahren wie man Weihnachten erlebt. Doch in diesem Jahr hatte ich begriffen, was Weihnachten bedeutet. Draußen war es dunkel und es schneite.

Morgen war Weihnachten. Alles war weiß und wunderschön. Doch ich lag in meinem Bett und war traurig, weil ich mir sicher war, dass meine Freundin viel mehr Geschenke als ich bekommen würde.

Wir konnten uns nicht mal einen Weihnachtsbaum leisten.

Aber das war mir noch nie wichtig gewesen; wir hatten ja nie einen gehabt. Wie jedes Jahr würden meine Freundinnen nach den Ferien mit all den schönen Geschenken angeben, die sie bekommen hatten – und ich? Sollte ich dann sagen: ich habe einen supertolles und teures Buch bekommen? Irgendwann schlief ich dann zum Glück doch noch ein.

Den nächsten Vormittag versuchte ich mich mit Lesen, Musik hören und Fernsehen auf unserem 30-Zentimeter-Bildschirm abzulenken, doch es gelang mir nicht wirklich. Der Vormittag zog sich endlos hin, doch es wurde dann doch noch halb sechs und wir gingen in die Kirche – wie jedes Jahr. Auf dem Weg dorthin ging ich die ganze Zeit immer mindestens fünf Meter hinter meinen Eltern und meinem kleinen Bruder hinterher; ich freute mich nicht wirklich. Alle redeten von Weihnachten und ich wusste, dass es bei uns wieder furchtbar werden würde. Ich hatte noch nie wirklich zugehört und fragte mich, von was die Predigt wohl handeln würde. Ich beschloss, dieses Mal aufzupassen.

Als das Orgelnachspiel ertönte, war ich fast ein wenig traurig. Ich hatte den Gottesdienst wirklich schön gefunden. Mir ging es besser als davor. Ich hatte zum ersten Mal in den letzten Wochen meine Traurigkeit vergessen können. Ich dachte über die Geschichten und die Predigt nach, doch ich war mir noch nicht so ganz sicher, ob ich sie wirklich verstanden hatte. Doch nun war ich traurig, dass wir keinen Weihnachtsbaum hatten. Der war als so schön und wichtig beschrieben worden.

Jetzt standen wir vor unserer Haustür. Dieses Mal war ich mit meiner Familie gelaufen. Oben vor unserer Wohnungstür blieb meine Mutter plötzlich stehen. Sie hatte Licht gesehen. Brannte es?

Wir rissen die Wohnungstüre auf – und dort stand ein kleiner Weihnachtsbaum mit ein paar Weihnachtskugeln geschmückt, und darauf standen Kerzen. Da fand ich es gar nicht mehr schlimm, wenig Geschenke zu bekommen.

Nun begriff ich wirklich, was die Geschichten aus dem Gottesdienst bedeuteten. Wir waren viel glücklicher alle zusammen als alleine mit teuren Geschenk. Ich bemitleidete meine Freundin, deren Eltern abends weggingen – auf eine andere Weihnachtsfeier.

Später klopfte unser Nachbar an die Tür, um uns schöne Weihnachten zu wünschen. Ich vermute, dass er den Weihnachtsbaum hierein gestellt hatte und war ihm unendlich dankbar.

Diese Weihnachtsgeschichte wurde von Jugendlichen aus der Konfirmandengruppe geschrieben. Sie wurde auf dem „Lebendigen Adventskalender“ am 14.12. als eine von vier Stationen vorgelesen. 
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